Predictive Policing in Niedersachsen – Das Projekt PreMAP

Lassen sich Straftaten vorhersagen? Im Rahmen des sogenannten „Predictive Policing" wird dies unter Zuhilfenahme von polizeilichen Strategien, Erkenntnissen der Kriminologie, der Datenanalyse und der Geowissenschaften versucht. Bedeutsam für die polizeiliche Praxis ist dabei nicht nur die Zuverlässigkeit und Nachvollziehbarkeit der Prognose, sondern vor allem die Wirksamkeit der zu ergreifenden Maßnahmen zur Verhinderung der entsprechenden Straftaten.

Nachdem der technische Fortschritt in der Datenverarbeitungstechnik seit den 1990er Jahren immer mehr die effiziente Analyse von sehr großen Datenmengen erlaubte, entwickelten sich Ansätze zur Prognose von Straftaten zunächst in den Vereinigten Staaten, im weiteren angloamerikanischen Raum und gelangten schließlich nach Europa. Die ersten Versuche im deutschsprachigen Raum wurden 2013 in der Schweiz durchgeführt. Seitdem haben auch mehrere deutsche Bundesländer entweder kommerziell oder eigenständig entwickelte Ansätze implementiert und getestet. In Niedersachsen fanden ab 2014 erste grundlegende Befassungen mit Predictive Policing statt, die im Oktober 2016 in den Start des Projekts PreMAP (Predictive Mobile Analytics for Police) und damit einen Praxistest eines selbstentwickelten Ansatzes mündeten.

Grundlage für den entwickelten Vorhersagealgorithmus war zunächst hauptsächlich das so genannte Near-Repeat-Phänomen, demzufolge nach einer Tat unter bestimmten Voraussetzungen das Risiko für eine Folgetat mit räumlichem und zeitlichem Bezug zur Ausgangstat erhöht ist. Damit unterscheidet sich dieser Ansatz von reinem Hot-Spot-Policing. Sobald ein Wohnungseinbruch durch die Polizei aufgenommen und in das Vorgangsbearbeitungssystem eingetragen wurde, analysiert und bewertet der Algorithmus bestimmte Merkmale der Tat daraufhin, ob sie auf ein erhöhtes Near-Repeat-Risiko hindeuten.

Ist dies der Fall, wird ein sog. Risikogebiet auf einer Karte angezeigt. Zeitgleich erhalten der Ermittlungs- und der Einsatzbereich der Polizei automatisiert per Mail Kenntnis davon. Die Daten werden durch einen erfahrenen Ermittler oder eine Ermittlerin erneut überprüft, anschließend stimmen die Ermittler gemeinsam mit einem Einsatzkoordinator die einzelnen Maßnahmen ab. PreMAP wurde zunächst in Wolfsburg, der Polizeiinspektion Salzgitter/Peine/Wolfenbüttel und später zusätzlich in Osnabrück und der Polizeiinspektion Hannover-Ost getestet.

Die Ergebnisse dieser ersten Pilotierungsphase (der Abschlussbericht zur ersten Pilotierungsphase kann hier eingesehen werden) zeigten, dass eine Anpassung des Prognoseansatzes erforderlich war. Eine ausführliche Nutzerbefragung ergab aber auch, dass ein Bedarf an Prognosen durchaus gesehen wird und außerdem die durch das System ebenfalls bereitgestellten Informationen über die allgemeine Kriminalitätslage relevant sind. Daher erfolgte ab November 2018 die erweiterte Pilotierung in 15 Polizeiinspektionen unter Leitung der Polizeidirektion Osnabrück.

Die kriminologische Forschung des Landeskriminalamtes zielt nun auf eine breitere Fundierung der Prognose und prüft, ob andere Deliktsbereiche einbezogen werden können. Schon jetzt gibt das Projekt Impulse für die Weiterentwicklung der polizeilichen Instrumente zur Kriminalitätsanalyse. Die erweiterte Pilotierung läuft noch bis Juli 2020.

Kontakt:

Hartmut Pfeiffer: 0511/26262-6501
Alexander Gluba: 0511/26262-6512

Pressestelle des LKA NI: 0511/26262-6301
Email: pressestelle@lka.polizei.niedersachsen.de
Email: kfs@lka.polizei.niedersachsen.de

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